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Wer war Willibald Gebhardt?

Der gebürtige Berliner Karl August Willibald Gebhardt (1861 – 1921) war ein Förderer der modernen Internationalen Olympischen Spiele – welche international mit dem Franzosen Baron Pierre de Coubertin in Verbidung gebracht werden. Gebhardt war mithin Begründer der Olympischen Bewegung in Deutschland, stand selbst dem Fechtsport nahe und wurde 1897 Gründungsmitglied des ersten deutschen Fechterbundes. Für die Olympischen Spiele in Athen (1896), Paris (1900) und St. Louis (1904) gründete er jeweils Olympische Komitees, um die Teilnahme deutscher Sportler zu ermöglichen.

Im März 1904, wenige Wochen vor den Olympischen Spielen 1904, gelang es ihm, mit einigen früheren Gegnern seiner Pläne sowie Repräsentanten des in Deutschland führenden Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und Jugendspiele (ZA) das erste ständige Nationale Olympische Komitee für Deutschland zu gründen: den Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS), dessen 1. Geschäftsführer er wurde. Der DRAfOS war mithin das erste dauerhafte Nationale Olympische Komitee weltweit.

Die Beziehung Gebhardts zu Pierre de Coubertin und auch dem bekannten deutschen Sportfunktionär Carl Diem war jedoch – geprägt durch die damaligen gesellschaftlichen Umstände und Kontexte – äußerst problematisch. So geriet seine Rolle und Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Olympischen Bewegung in Vergessenheit. Lange Zeit erinnerten nur eine Gedenktafel am Berliner Olympia-Stadion sowie der Name einer grünen Wiese im „Sportforum“ hinter dem Olympia-Stadion an die nationalen und internationalen Verdienste des Begründers der Olympischen Bewegung und des ersten Protagonisten für eine wissenschaftliche Erforschung des Sports in Deutschland. Das in Essen gegründete und seit 2018 in Münster heimische Willibald Gebhardt Institut (WGI) trägt seinen Namen seit 1992. Den Bemühungen des Instituts, der Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer des WGI und des Landessportbundes (LSB) Berlin ist es zu verdanken, dass seit dem Februar 2003 das Sportzentrum Berlin-Schöneberg Gebhardts Namen trägt. Am 10. November 2005 wurde dort eine Gedenktafel eingeweiht.

 

Mehr zu Gebhardts Biografie

Gebhardt studierte nach dem Abitur an den Universitäten Marburg und an der Humboldt-Universität in Berlin Chemie und promovierte 1885 zum Dr. phil. In einem Zweitstudium widmete er sich danach der Physiologie und Hygiene, bevor er 1890 für fünf Jahre in die USA auswanderte. Dort beschäftigte er sich mit modernen Lichtheilverfahren und kam mit der frühen amerikanischen Hygiene- und Olympiabewegung, u. a. bei der Weltausstellung in Chicago 1893, in Kontakt.

Nach seiner Rückkehr aus den USA 1895 setzte sich Gebhardt nicht nur erfolgreich für die Beteiligung Deutschlands an den Internationalen Olympischen Spielen ein, sondern arbeitete, finanziell weniger erfolgreich, als Unternehmer und Erfinder. Gegen den allseitigen Widerstand der nationalen Vertreter für Turnen und Sport, der Deutschen Turnerschaft (DT) und des ZA, aber mit Unterstützung des deutschen Kaiserhauses, gelang es ihm , das Komitee für die Beteiligung Deutschlands an den Olympischen Spielen in Athen 1896 zu gründen. Er selbst stand dem Fechtsport nahe und wurde Gründungsmitglied des ersten deutschen Fechterbundes 1897.

Zahlreiche Gebrauchsmuster und Patente für verschiedene Apparate des Lichtheilverfahrens und Gerätschaften für eine diätische Ernährung wurden auf seinen Namen am Deutschen Patentamt eingetragen. Als promovierter Naturwissenschaftler forderte er schon früh nach amerikanischem Muster anthropometrische Untersuchungen für die deutschen Turner und Sportler und die Einrichtung einer „wissenschaftlichen Trainieranstalt“. Die wissenschaftliche Erforschung des aufstrebenden Sports war ihm ebenso ein Anliegen wie die Vermittlung der olympischen Werte und Normen in der schulischen Erziehung.

Seine Bemühungen im IOC, schon 1904, 1908 oder 1912 die Olympischen Spiele in Berlin auszurichten, blieben aus mehreren Gründen erfolglos. Aus diesen Bemühungen rührten die Pläne, in Berlin ein repräsentatives Stadion zu bauen – Pläne, die erst nach dem Zuschlag, die Olympischen Spiele 1916 in Berlin durchzuführen, 1912 erfolgreich umgesetzt wurden.

Im März 1904, wenige Wochen vor den Olympischen Spielen 1904, gelang es ihm, mit einigen früheren Gegnern seiner Pläne sowie Repräsentanten des in Deutschland führenden Zentralausschusses zur Förderung der Volks- und Jugendspiele (ZA) das erste ständige Nationale Olympische Komitee für Deutschland zu gründen: den Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS), dessen 1. Geschäftsführer er wurde.

Der DRAfOS war das erste dauerhafte Nationale Olympische Komitee weltweit. Gebhardt wurde 1896 als erster deutscher Vertreter in das Internationale Olympische Komitee (IOC) berufen, dem er bis 1909 angehörte. Als „Chef de Mission“ begleitete er die deutschen Mannschaften zu den Olympischen Spielen 1896, 1900, 1904 und war Mitglied der deutschen Delegation bei den Zwischenspielen in Athen 1906. Anlässlich der Olympischen Spiele 1904 vertrat er gemeinsam mit seinem Freund Ferenc Kemény das IOC in St. Louis.

Trotz der Erfolge muss das Verhältnis zwischen Gebhardt und Baron Pierre de Coubertin als problematisch eingeschätzt werden. Gebhardt tat in den Jahren seines Wirkens alles, um der politischen Diffamierung des französischen Barons und seiner Idee, Internationale Olympische Spiele zu veranstalten, in den Kreisen der deutschen Turnerschaft, in der deutschen Tagespresse und bei den nationalen Vertretern des Sports entgegen zu wirken und seine Gegner für eine Mitwirkung zu gewinnen. Gleichwohl versagte es sich de Coubertin nicht, Gebhardt u. a. wegen seiner panhellenischen Vorstellungen für die Entwicklung Olympischer Spiele mehrmals persönlich und in der Öffentlichkeit bei Sessionen und Kongressen des IOC zu brüskieren.

Bis heute wird darüber spekuliert, aus welchen Gründen Gebhardt wenige Monate nach den Athener Zwischenspielen 1906 seine Ämter im DRAfOS und 1909 nach der Berliner Session auch sein Amt als deutscher Vertreter im IOC niederlegte. Waren es lediglich private, finanzielle Probleme? War es der junge Journalist Carl Diem, der mit seinem Tatendrang und Organisationsgeschick Gebhardt 1906 zur Seite drängte? Waren es die adeligen Militärs, die sich ab 1905 der deutschen Olympiabewegung forsch zuwendeten und im bürgerlichen Zivilisten Gebhardt, der zudem der internationalen Friedensbewegung nahe stand, keinen guten deutschen Vertreter mehr sahen? Oder war es de Coubertin selbst, der den aus seiner Sicht schwierigen, weil selbstständigen Deutschen lieber gegen mehr „olympisch-willfährige“ deutsche Adelsritter austauschen wollte?

Der Olympischen Bewegung blieb Gebhardt verbunden. So meldete er sich vehement bei seinem Nachfolger als Generalsekretär beim DRAfOS, Carl Diem, zu Wort, als sich 1917 unter dessen Federführung der DRAfOS offiziell von der internationalen Olympischen Bewegung verabschiedete und zukünftig nur noch deutsche Kampfspiele veranstalten wollte. Bei de Coubertin protestierte er heftig gegen die Entscheidung des IOC, Deutschland und seine Alliierten von der Teilnahme an kommenden Olympischen Spielen, wie denen in Antwerpen 1920, auszuschließen.

Für Gebhardt hatten Diem und de Coubertin, jeder auf seine Weise, versagt und gegen die Olympische Idee verstoßen. Nur in einer politischen Erneuerung des IOC zu einem „Völkerbund für Olympische Spiele“ sah Gebhardt die Möglichkeit, die deutsch-französischen Fronten nach dem Ersten Weltkrieg zu überwinden. Aber von deutscher Seite zeigte man, nachdem fachlicher Rat bei Diem eingeholt worden war, überhaupt kein Interesse an Gebhardts Ansinnen. Wenige Wochen vor seinem Tod erreichte Gebhardt diese Nachricht, wenige Monate später wurden 1922 die von Diem geforderten 1. Deutschen Kampfspiele in Berlin eröffnet.

Diese und einige andere Lebenskapitel Gebhardts in den Jahren 1906 bis 1921 harren immer noch der genauen Erforschung. So liegt denn bis heute keine vollständige Biografie vor. Eine öffentliche Anerkennung und Würdigung der zahlreichen Impulse und Leistungen, die mit dem Wirken Gebhardts für den deutschen Sport und seiner internationalen Repräsentanz verbunden sind, wurde  in Ansätzen erst in den letzten Jahren erreicht.

Lange Zeit erinnerten nur eine Gedenktafel am Berliner Olympia-Stadion sowie der Name einer grünen Wiese im „Sportforum“ hinter dem Olympia-Stadion an die nationalen und internationalen Verdienste des Begründers der Olympischen Bewegung und des ersten Protagonisten für eine wissenschaftliche Erforschung des Sports in Deutschland.

Das in Essen gegründete und seit 2018 in Münster heimische Willibald Gebhardt Institut (WGI) trägt seinen Namen seit 1992. Den Bemühungen des Instituts, der Vorsitzenden des Vereins der Freunde und Förderer des WGI und des Landessportbundes (LSB) Berlin ist es zu verdanken, dass seit dem Februar 2003 das Sportzentrum Berlin-Schöneberg Gebhardts Namen trägt. Am 10. November 2005 wurde dort eine Gedenktafel eingeweiht. Geschaffen von dem bekannten Berliner Bildhauer Paul Brandenburg. Diese Ehrung Gebhardts wurde mit finanziellen Zuwendungen des WGI, des LSB Berlin, des Deutschen Sportbundes, des NOK für Deutschland sowie von Privatpersonen ermöglicht.

 

Gebhardt in Zahlen

1861
geboren am 17. Januar in Berlin

1896
Berufung zum ersten deutscher Vertreter in das Internationale Olympische Komitee (IOC)

1897
Gründungsmitglied des ersten deutschen Fechterbundes

1904
Gründung des ersten ständigen Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland

1921
am 30. April in Berlin gestorben

 

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